Bau und Betrieb von Windkraftanlagen stellen für Niedersachsen einen wesentlichen Wirtschaftsfaktor dar. Deutschlandweit sind derzeit ca. 22.000 Windkraftanlagen installiert. Das Energiekonzept der Bundesregierung sieht einen massiven Ausbau dieser regenerativen Energieerzeugung vor. Problemlos ist die Installation von Windkraftanlagen nicht. Manche Anlagen werden nicht genehmigt, da die Bundeswehr die Flugsicherheit beeinträchtigt sieht, denn Windkraftanlagen beeinflussen die Radarbilder und erschweren so die Überwachung und Lenkung des Flugverkehrs.
Der Bundestagsabgeordnete für Friesland-Wilhelmshaven-Wittmund, Hans-Werner Kammer, besprach daher in dieser Woche mit Oberst Hans-Ludwig Rau in Berlin die Lösungsansätze der Luftwaffe. Oberst Rau leitet im Luftwaffenamt die Abteilung Flugbetrieb. Derzeit baut er ein neues Dezernat auf, welches die Genehmigung von Windkraftanlagen vereinfachen soll.

Hans-Werner Kammer MdB und Oberst Hans-Ludwig Rau
„Laut Luftverkehrsgesetz dürfen Anlagen nicht errichtet werden, wenn die Flugsicherung gestört wird. Die zivile und militärische Luftsicherheit hat Vorrang“, machte Oberst Rau deutlich. Dennoch ist das Verteidigungsministerium kompromissbereit: „Wir wollen dem Ausbau der Windenergie nicht im Wege stehen, solange uns sichere Flugkorridore zur Verfügung stehen.“ Die „Schmerzgrenze“ für die Luftwaffe liegt bei ca. fünf Kilometern im Umkreis um Flughafen und Radaranlagen. „Innerhalb dieses Radius ist eine Genehmigung unwahrscheinlich. In einem Umkreis zwischen 5 und 35 Kilometern prüfen wir jeden Einzelfall. Meistens lässt sich hier eine Lösung finden.“
Die Bundeswehr ist auch sehr daran interessiert, die Empfindlichkeit der Luftraumüberwachung zu verringern. In den nächsten Jahren werden neue digitale Radaranlagen installiert. Außerdem erarbeitet das Verteidigungsministerium gerade das bundesweit erste Kataster von Windkraftanlagen. „Nur wenn uns alle Windkraftanlagen bekannt sind, können wir einen sicheren Flugbetrieb gewährleisten“, so Oberst Rau.
Hans-Werner Kammer zeigte sich erfreut darüber, dass das Verteidigungsministerium dem Thema Windkraft und Radar derart große Bedeutung beimisst: „Wir müssen vor Ort Kompromisse finden, die den Ausbau der Windenergie ohne Abstriche an der Sicherheit ermöglichen. Das Ministerium ist dialogbereit.“


